Stadttheater
 XX Settembre 125 - Cervia (RA)

 

Ein Beweis für die Existenz eines Raumes für Theateraufführungen in Cervia stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert, der als ein kleines "Gemeinschaftstheater für die Jugend" in einer Schrift erwähnt wurde. Das Theater befand sich damals in einem Gebäude, das einst zu der Druckerei Saporetti gehörte.

 Es war ein kleines Theater mit 200 Sitzplätzen, das für Theateraufführungen von Schauspielern und Marionetten, für Konzerte und Verlosungen verwendet wurde. Als das Theater zu klein wurde, wurde ein neues Theater in der östlichen Bastion der Stadt errichtet. Dieses geriet im Februar 1851 in Brand und Holzstrukturen, Möbel und Kulissen wurden zerstört.

Dieses Theater konnte nicht mehr genutzt werden und blieb mehrere Jahre geschlossen.
 Nach langem Streit beschloss der Stadtrat 1858 ein neues Theater in der westlichen Bastion zu errichten, das „dei Carabinieri“ genannt wurde. Der endgültige Entwurf wurde vom Architekten Tommaso Stamigni aus Perugia entwickelt. Leider verzögerte der Unabhängigkeitskrieg die Fertigstellung des Theaters, dessen Errichtung erst 1860 begann, wie eine Gedenktafel an der Fassade belegt.

 Es wurde endlich am Weihnachtsabend 1862 mit einer Aufführung der Schauspieltruppe „Compagnia Drammatica Internari“ mit dem Titel "Die Familie des Trinkers" von einem unbekannten Autor eröffnet. Das Theater wurde von den Baumeistern Zanuccoli und Zacchi und vom Bildhauer Ulisse Bonelli aufgebaut, der die architektonischen Dekorationen in den Logen realisiert hat. Im Foyer hat er die kannelierten Säulen mit ionischen Kapitellen, den Stuck und Putz hergestellt.

Der Maler Giovanni Canepa aus Lugano hat die gemalten Dekorationen des Theaters, der Bühne, der Kulissen und des Vorhangs erstellt. Andrea Sangiorgi aus Faenza hat für die gesamte Öl- und Kerzenbeleuchtung gesorgt. Teodoro Gardella, der Maschinenmeister des Theaters Alighieri von Ravenna, baute die Winden und die Mechanismen für die Bewegung der Kulissen, der Beleuchtung und der „Geräusche-Maschinen“.

Die Fassade des Theaters ist hoch und schmal und liegt einige Stufen erhöht über der Straße. Der Haupteingang des Theaters befindet sich auf einer Seite des Gebäudes. Über der Tür gibt es ein großes Lünettenfenster, das die erste Etage beleuchtet.

Der Zugang zum Saal erfolgt durch den Eingang mit den Kassen und einem großen Foyer, das von vier Marmorsäulen umgeben ist, die den Zugang zu den Logen durch zwei Treppen ermöglichen. Der Saal ist hufeisenförmig mit zwei Logenreihen (28 Logen insgesamt) und einem obersten Rang, der durch eine Treppe erreichbar ist. Die Logen sind durch Säulen mit ionischen Kapitellen voneinander getrennt.

Das Gewölbe ruht auf den Galeriewänden „durch ein elegantes System von Spitzbögen und in der Mitte befindet sich ein kreisförmiger "Mund", der mit Hilfe einer hölzernen Rosette mit goldenen Dekorationen geöffnet und geschlossen werden konnte, die für die Bewegung des Kronleuchters verwendet wurde" (..).

Die große Bühne hat auf der einen Seite die Garderoben für die Schauspieler. Die Malereien an der Decke wurden mehrmals von der Firma Galossi aus Ravenna und vom Meister Aldo Scione im 20. Jahrhundert restauriert und man kann noch den Stil des Maler Canepa erkennen, der „einen großen Kreis mit Blumenmotiven mitten der Spitzbogen, der in zwölf Sektoren aufgeteilt ist, wo tanzende Nymphen flattern [...]“ gemalt hat.

Zwischen den Nymphen „sind zwölf Medaillons mit Profilen von berühmten Persönlichkeiten aus Kunst und Literatur gemalt worden "(...). Der ursprüngliche Vorhang ist noch unversehrt und wurde vom selben Künstler gemalt. Er zeigt das Boot von Apollon Musagète am Hafen von Cervia mit den neun Musen. Thalia steht neben Gott. Im Hintergrund sieht man die Stadt und den Turm und darüber die Muttergottes, die den Thron besteigt. Auf der linken Seite ist ein Boot mit Menschen zu sehen, höchstwahrscheinlich sind sie die Volljährigen der Stadt, während ein kleines Boot mit einer Salzfracht nähert."

Das Boot mit Salz erinnert an den besonderen Ort, wo das Theater steht, "das von den Häusern der Salinenarbeiter umgeben ist, die eine kleine Festung aus Gebäuden um das Theater bilden. Von außen sieht das Theater wie ein normales Haus aus. Das Theater hat einen kleinen Eingang links neben dem Haus, in dem die Schriftstellerin Grazia Deledda fast 14 Jahre lang gelebt hat. Aber im Innern eine Überraschung: ein wunderschönes Theater..." (Itinerario 1994). Viele und wichtige Restaurierungsarbeiten wurden durchgeführt: 1875 nach dem Erdbeben, 1894 als das Beleuchtungssystem von Kerzen auf Öllampen umgestellt wurde, 1904 zur Umstellung auf Beleuchtung mit Petrolium und im Jahr 1922 als das Theater an das elektrische System angeschlossen wurde.

Im Jahr 1923 wurde die Bühne, mit einem Holzboden versehen, sodass dem Raum eine mystische Atmosphäre verliehen wurde. Vor der letzten Restaurierungsarbeit hatte das Theater 350 Sitzplätze und wurde als "Opernhaus, Tanzbühne, Konferenzraum und Kino während des Krieges verwendet. 1951 wurde es als unbetretbar erklärt und als Lager für Hilfsgüter für die Flutopfer von Polesine, die in den Colonie Marittime untergebracht wurden, genutzt.

Im Jahr 1983 wurde das Theater erneut gesperrt. Dank der umfangreichen Restaurierungsarbeiten zwischen 1985 und 1991 unter der Leitung des Architekten Giorgio Salmaso und zwischen 1991 und 1994 unter der Führung des Ingenieurs Roberto Buonafede, Leiter des technischen Büros der Stadt, hat das Theater mittlerweile seinen früheren Glanz und seine alte Schönheit wiedererlangt. Bei den letzten Arbeiten wurde die Decke restauriert, wurden neue Toiletten errichtet und eine neue Bühne aus Eisen und Holz gebaut, die auf einer Struktur aus Stahlbeton ruht. Um die Erdbebensicherheit zu erhöhen, wurden einige Teile des Gebäudes verstärkt und die architektonischen Barrieren wurden abgebaut.

Alle Anlagen wurden den Vorschriften entsprechend komplett erneuert. Der alte Fußboden wurde je nach Verwendungszweck durch Terrazzoboden, Marmor oder Teppich ersetzt. DIe Galerie wurde mit denselben gepolsterten Samtstühlen wie im Parkett ausgestattet. Das Café, die Garderobe und die Kassen wurden mit lackierten Holzelementen und Spiegeln dekoriert. Das Theater wurde mit Lichtern, Dimmern und Scheinwerfern ausgerüstet.

Die Decke des Parketts hatte Risse und war an einigen Stellen eingestürzt. Die Stützpfeiler wurden mit dem Dach durch Gewindestangen aus Stahl verbunden, die das Gewölbe langsam wieder auf die ursprüngliche Höhe zurückerbrachten. Eine Restaurierung der beschädigten Gemälde und der Holzdekorationen wurde von dem Maler Enzo Petrucci aus Urbino durchgeführt. Der alte dekorative Vorhang wurde ebenfalls restauriert, aber, da er aus brennbarem Material bestand, konnte er nicht wieder verwendet werden.

Heute hat das Theater 230 Sitzplätze. Eine Fotoausstellung der Restaurierungsarbeit wird im Foyer vorbereitet. Das Theater wurde am 28. Mai 1994 mit einem Konzert von Fiorella Mannoia für die Stadt Cervia eröffnet. Das Theater ist unter der Leitung des Kulturamts der Stadt Cervia und gehört zu dem „System von kleinen und mittleren Theatern der Romagna" (Longiano, Cesenatico, Bagnacavallo), deren Verwaltung der Kooperative „Accademia Perduta – Romagna Teatri“ überlassen wurde. Das Theater bietet Prosa, Musik, Comedy und Aufführungen im Dialekt und für Jugendliche an. Derzeit ist auch die Musikschule „Prendi Nota“ in diesem Theater aktiv.

Die Presse hat natürlich die Eröffnung des Theaters nach der Restaurierungsarbeit, die neun Jahre gedauert hat, begrüßt. Die Kommunalverwaltung hat die Schwierigkeiten bei der Arbeit betont. Als besonders schwierig hat sich die Anpassung an die neuen Sicherheitsanforderungen in einem alten historischen Gebäude erwiesen, wie auch die Restaurierung des Gewölbes, für die spezifische Technologien angewendet wurden.