Luigi Rinaldo Legnani

 

(Ferrara, 7. November 1790 - Ravenna, 5. August 1877)

Noch jung ließ er sich 1799 mit seiner Familie in Ravenna nieder, und zeigte sich sofort sein bemerkenswertes musikalisches Talent: er studierte alle Streichinstrumente, Gitarre und Gesang. Er begann seine Karriere 1807 als Tenor im alten Theater von Ravenna, aber bei seinem Debüt-Konzert im Teatro alla Scala in Mailand am 20. Juni 1819 erwies er sich als einzigartiger Gitarrist. Zu dieser Zeit fing er an, seine Werke für Gitarre beim Ricordi Verlag zu veröffentlichen. Großer Virtuose des Instruments, begann er eine Karriere voller Erfolg und wechselte zwischen seinem Beruf als Solist und Komponist und dem des Gesangslehrers hin und her.

Ein außergewöhnlicher Interpret, wurde er für seine Geschicklichkeit von Konzertgesellschaften auf dem ganzen Kontinent begehrt: Er hielt Konzerte und Liederabende in den wichtigsten europäischen Theatern der Zeit (Ravenna, Mailand, Florenz, Turin, Verona, Triest, München, Regensburg, Dresden, Berlin, Paris, Wien, Pest, Genf, Madrid, etc..) manchmal mit den bedeutendsten Künstlern in der Geschichte der Musik. Besonders nennenswert sind die Konzerte 1822/23 in Wien mit dem jungen Wunderpianisten Franz Liszt.

Er wurde Ehrenmitglied der Accademia Filarmonica von Ravenna, Ferrara, Florenz, Rom, Parma, Verona, München, und wurde von zeitgenössischen italienischen Journalisten als "Paganini der Gitarre" bezeichnet. Legnani wurde von dem bekannten Geiger selbst für eine große Europa-Tournee auserwählt. Am 15. Juli 1836 während eines Konzerts im Theater Carignano in Turin war Paganini selbst von der Leistung des hochvirtuosen Gitarristen beeindruckt und nannte ihn den “ersten Spieler dieses Instruments“.

Nach einer weiteren Tournee in Spanien und Frankreich wurde er 1838 beim Sturz aus einer Pferdekutsche in Paris schwer verletzt und musste seine musikalische Tätigkeit wie auch wahrscheinlich seine Arbeit als Solist unterbrechen. So wurde eine glänzende Karriere abgebrochen, obwohl ein plausiblerer Grund für die Unterbrechung der Konzerte in dem wandelnden Musikgeschmack der Öffentlichkeit zu suchen ist: Das Publikum, das ins Konzert ging, begann des schwachen Gitarrenklangs überdrüssig zu werden, und fing an, den stärkeren Klang des Klaviers und der Orchester zu bevorzugen.

Der letzte Auftritt von Legnani in einem öffentlichen Konzert fand am 16. Juni 1850 in Cervia im alten Stadttheater statt, das sich in der östlichen Bastion der Altstadt befand. Der Künstler zog sich dann in Ravenna zurück und wurde als Gesangs- und Gitarrenlehrer tätig. Er widmete sich leidenschaftlich dem Gitarrenbau, ein Interesse, das er seit der Kindheit hatte. Als er in Wien lebte, besuchte er Hause Stauffer, der ein berühmter Instrumentenbauer der Stadt war, und lernte die Grundlagen und die Geheimnisse über den Bau einer guten Gitarre: Legnani entwickelte einen Gitarrentyp, der einen tiefen Klang hatte, und führte die Stimmmechanik zum Stimmen eines Instruments ein.

Er schrieb zahlreiche Kompositionen für pädagogische Zwecke, Musiksoli und Kammermusik, für die alle eine ausgezeichnete technische und harmonische Virtuosität typisch ist. Unter den verschiedenen Werken zählen Metodo op. 250 für Gitarre, die 36 Capricci op.20 in allen Tonarten, die im Jahr 1822 geschrieben wurden (Stücke, die noch heute in den Programmen des Ministeriums für den Abschluss Compimento Medio zu finden sind). Zu den Solo-Stücken gehören u.a.: Gran Studio op. 60 (1829), Terremoto con variazioni op. 1 (1820), Fantasìa op. 19, Variazioni op. 16, Introduzione Tema e Variazioni op. 64. Für Flöte und Gitarre: Duetto Concertante op. 23 (1822) und Gran Duetto Concertante op. 87 (1837), für Klavier, Gitarre und Streichquartett: Konzert-Variationen über ein Thema aus der Oper "Aschenputtel " von Rossini und das Konzert für Gitarre und Orchester in A-Dur.

Die Geschichtlichkeit von Luigi Legnani wurde vom Wiener Korrespondenten der Leipziger „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ am 4. Dezember 1822 gut beschrieben:

"Ganz überraschend war die Ausführung der Ouverture. Es macht eine ganz eigene Wirkung so ein Piccolo- Instrument ein ganzes Orchester vertreten zu sehen. Es ist unglaublich, mit welcher Sicherheit, Schnelligkeit und Präzision alle möglichen Figuren ausführt. Herr Legnani habe stellenweise wohl bewiesen, dass er so angenhem als irgend Jemand spielen könne."